Bereich A: Tätigkeit als psychologischer
Sachverständiger und forensischer Gutachter

1 Formaler Rahmen der Gutachtertätigkeit

Meine Gutachtertätigkeit übe ich seit 1988 im Rahmen der Praxis für Psychologische Diagnostik und Beratung aus. Seit diesem Zeitpunkt bin ich durch die Regierung von Unterfranken als Sachverständiger mit dem Bestellungstenor „Psychologische Diagnostik (Forensische Psychologie, Verkehrspsychologie)“ öffentlich bestellt und beeidigt. Für originäre Begutachtungen zu familienpsychologischen Fragestellungen (insbesondere Regelung des Sorge- und Umgangsrechts), zur Frage der Gefährdung des Kindeswohls, zur Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen sowie zur Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen (insbesondere nach einer Trunkenheitsfahrt) stehe ich nicht mehr zur Verfügung. Hingegen gehören methodenkritische Stellungnahmen zu allen Arten forensisch-psychologischer Gutachten sowie Beratung in Fragen der psychologischen Diagnostik weiterhin zu meinem Tätigkeitsfeld (siehe Abschnitt 2, „Tätigkeitsfeld“).

Die Bezeichnung „öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger“ ist – im Unterschied zu der Bezeichnung „Sachverständiger“ – in Deutschland gesetzlich geschützt (§ 132a Abs. 1 Nr. 3 StGB). In meiner Eigenschaft als öffentlich bestellter und beeidigter Sachverständiger bin ich verpflichtet, auch für Privatpersonen tätig zu werden; diese Verpflichtung ergibt sich im außergerichtlichen Bereich aus dem Sinn und Zweck der öffentlichen Bestellung, wonach der Sachverständige nicht im privaten Interesse, sondern ausschließlich im öffentlichen Interesse bestellt wird. Der öffentlich bestellte und beeidigte Sachverständige wird vor seiner Zulassung fachlich im Hinblick auf seine besondere Sachkunde (überdurchschnittliche Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen) und persönlich im Hinblick auf seine Vertrauenswürdigkeit und Objektivität überprüft und im Verlauf seiner Tätigkeit von der bestellenden Institution bzw. Gebietskörperschaft ständig überwacht. Der öffentlich bestellte und beeidigte Sachverständige ist verpflichtet, seine Gutachten und Stellungnahmen persönlich zu erarbeiten; Mitarbeiter und sog. Hilfskräfte darf er nur zur Vorbereitung und nur insofern heranziehen, als dadurch seine Verantwortung und seine persönliche Leistung nicht infrage gestellt werden.

2 Tätigkeitsfeld

Methodenkritische Stellungnahmen zu allen Arten forensisch-psychologischer Gutachten sowie zu Schriftvergleichsgutachten

In Methodenkritischen Stellungnahmen werden keine inhaltlichen Aussagen zu der betreffenden Fragestellung gemacht, vielmehr wird das Gutachten allein anhand etablierter formaler Kriterien der diagnostischen Befunderhebung und der Gutachtenerstellung bewertet. Nicht selten zeigt sich dabei, daß eine Begutachtung so angelegt war, daß relevante Sachverhalte gar nicht aufgedeckt werden konnten. Ein differenzierter Merkmalskatalog ermöglicht Nachvollziehbarkeit und Nachprüfbarkeit.

Methodenkritische Stellungnahmen können zu allen Arten forensisch-psychologischer Gutachten angefertigt werden, insbesondere aber zu folgenden Fragestellungen:

Es versteht sich von selbst, daß der Verfasser einer Methodenkritischen Stellungnahme in der Beurteilung eines vorliegenden Gutachtens vollkommen frei ist und allein von sachlichen Gesichtspunkten geleitet wird; Gefälligkeitsgutachten kommen nicht in Betracht. Mein Stundensatz beträgt z.Zt. 110,— Euro zuzügl. MWSt. und entspricht damit demjenigen der Honorargruppe M 3 lt. JVEG. Um dem Auftraggeber unnötige Kosten zu ersparen, besteht die Möglichkeit einer verbindlichen Kurzinformation nach Abschluß der Auswertung des Gutachtens anhand des Kriterienkatalogs. Auf der Grundlage dieser Vorabinformation kann der Auftraggeber entscheiden, ob er die ausgearbeitete Fassung wünscht.

3 Veröffentlichungen aus dem Bereich der angewandten psychologischen Diagnostik

Wittkowski, J. (1981). Möglichkeiten und Grenzen psychologischer Diagnostik im Strafvollzug. In E. G. Wehner (Hrsg.), Psychodiagnostik in Theorie und Praxis (S. 104-132). Bern: Lang-Verlag.

Wittkowski, J. (1994). Das Interview in der Psychologie. Interviewtechnik und Codierung von Interviewmaterial. Opladen: Westdeutscher Verlag.

Seitz, W. & Wittkowski, J. (2004). Diagnostische Aufklärung des alkoholauffälligen Fahrens in Gutachten medizinisch-psychologischer Untersuchungsstellen. In B. Schlag (Hrsg.), Verkehrspsychologie. Mobilität – Verkehrssicherheit – Fahrerassistenz (S. 197-217). Lengerich: Pabst.

Wittkowski, J. & Seitz, W. (2004). Praxis der verkehrspsychologischen Eignungsbegutachtung. Eine Bestandsaufnahme unter besonderer Berücksichtigung alkoholauffälliger Kraftfahrer. Stuttgart: Kohlhammer.

Wittkowski, J. & Seitz, W. (2005). Merkmale verkehrspsychologischer Eignungsgutachten der medizinisch-psychologischen Untersuchungsstellen. In Sektion Verkehrspsychologie (Hrsg.), Verkehrspsychologie bewegt – Personen, Systeme, Daten. Bericht über den 38. Kongreß für Verkehrspsychologie 2002 in Regensburg. www.bdp-verkehr.de/aktuell/archiv/kongress2002/index.html.